Lebensaufgabe Wolfhund – eine Herausforderung für’s Leben

Urteil für Wolfhundehalter: Einmal Lebenslänglich

Lebensaufgabe Wolfhund oder „einmal lebenslänglich, bitte“

Der Wolfhund ist eine Lebensaufgabe. Für seine Halter ist er oft eine regelrechte Herausforderung. Schnell sind die Grenzen des Erträglichen erreicht, wenn die Inneneinrichtung zerstört, der Wohnraum als Toilette missbraucht oder der Wolfhund wieder einmal ausgebrochen ist. In meinem Artikel „Wolfdogs, der Züchter und der Interessent“ habe ich euch u. a.  bereits ausführlich berichtet, dass der Wolfhund in Mode gekommen ist und er leider eine Art „Lifestyle“ darstellt. Ja, und dass er auch eine lebenslange Verantwortung bedeutet: Einmal lebenslänglich lautet hier das Urteil!

Eine Lebensaufgabe bezeichnet eine Aufgabe, der man sich ein Leben lang widmen muss. Lebenslang sozusagen. Einen Wolfhund zu halten ist solch eine lebenslage Lebensaufgabe. Eben ein Wolfhundleben lang. Oder anders ausgedrückt: Das Leben mit einem Wolfhund ist ein bisschen wie eine Ehe. Hier gilt auch „in guten wie in schlechten Zeiten – bis dass der Tod uns scheidet.“ Soviel dazu.

Nun kommen wir zum Kern der Sache, warum ich diesen Beitrag schreibe. Mein Anliegen ist es, nochmals zu verdeutlichen, weshalb ich mich der Zucht von Wolfhunden widme. Gerade jetzt, wo doch so viele Züchter wie „Schwammerl aus dem Boden sprießen“ oder Wolfhunde in Tierheime und Auffangstationen abgegeben werden ist es mir wichtig darzulegen, was mein Zuchtprojekt von anderen Züchtern und gar Vermehrern unterscheidet.

Was macht denn einen guten Züchter aus?

Ein guter Züchter handelt verantwortungsvoll und widmet sich liebevoll, respektvoll und mit dem nötigen Know-How seiner Aufgabe. Er investiert Zeit, Geld, Wissen, Liebe und Geduld im Übermaß beim ganzen Zuchtgeschehen, seien es beispielsweise die notwendigen Gesundheitsuntersuchungen zur Zuchtvorbereitung, die Welpenaufzucht oder der Umgang mit Interessenten usw. Auch nach dem Auszug der Kleinen steht er den frischgebackenen Hundeeltern mit Rat und Tat zur Seite – auch hier lebenslang. Ein guter Züchter ist ein Kümmerer. Und er muss auch nicht zwingend Mitglied in einem Zuchtverband sein, um gute Arbeit zu leisten. Auch dann nicht, wenn das vielfach von Vertretern der Rassehundefraktion behauptet wird.

Vermehrer dagegen sind rein am Geld interessiert. Sie versprechen sprichwörltich das „Blaue vom Himmel“ und verbreiten Märchen um die Welpen schnell für meist viel Kohle loszuwerden. Sie kümmern sich nicht um ihren produzierten Nachwuchs. Aus den Augen, aus dem Sinn. Oft bekommt man auch einen kranken Welpen – selber schuld, wer da kauft – weil bei den Elterntieren keine Gesundheitsuntersuchungen gemacht wurden oder man sich diese nicht hat zeigen lassen. Von Haltung, Aufzucht, Prägung und Sozialisierung, die mangelhaft bis unzureichend stattfinden ganz zu schweigen. Augen auf beim Welpenkauf heißt es so schön. Ein guter Züchter zeigt euch die Elterntiere, Gesundheitsuntersuchungen, wie die Welpen aufwachsen und gewährt euch viele Einblicke in die Aufzucht eures neuen Familienmitglieds.

Die Lebensaufgabe „Wolfhund“ als Bürde

Ja, eine Lebensaufgabe kann eine Bürde sein. Zunächst sieht man den Wolfhund durch eine rosarote Brille. Das tun wir alle und das ist normal, wenn man von etwas begeistert ist. Problematisch wird es vor allem dann, wenn man sich die rosarote Brille aufsetzt und ohne den Reifeprozess der ordentlichen Selbstreflektion einen Wolfhund anschafft – angesagter Lifestyle eben. Dann hat man schnell die Rechnung ohne den Wolfhund gemacht und kriegt auch schnell sein Fett weg. Was? Du bist überfordert und willst ihn loswerden? Blöde Idee! Schon vergessen? Du hast lebenslänglich!

Doch selbstverständlich gibt es auch diejenigen Halter – und das sind glücklicherweise die Meisten – die den Wolfhund einfach lieb gewonnen haben und ihn so nehmen, wie er eben ist. Die ihr Leben nach ihm ausrichten und alle Herausforderungen mit ihm zusammen meistern. Auch dann, wenn man persönliche Bedürfnisse zurückstellen muss. Man darf eines nicht vergessen: Es sind eben schwierige Tiere, die anders ticken als der Ottonormalhund.

So, nun komme ich endlich zu dem Punkt, auf den ich hinaus will. Es gibt nun einmal Schwierigkeiten in der Wolfhundezucht. Selbst die Rassewolfhunde sind anspruchsvoll in Haltung und Erziehung. Und Amerikanische Wolfhunde sind sowieso nochmal eine ganz andere Hausnummer – je nach Content versteht sich. Tamaskane, Marxdorfer Wolfshunde und Wolfdogmixe haben all ihre Eigenheiten. Erstens sind manche wahre Überraschungseier, zweitens sind manche tolle Gefährten und drittens sind manche ein Problem – ja, eine Lebensaufgabe …

Einen interessanten Artikel dazu habe ich am Ende dieses Beitrages zum Weiterlesen verlinkt.

Ich möchte Veränderung. Ja, ich möchte etwas bewegen in der Wolfhundewelt.

Der Weg der Veränderung

Die Dinge hinzunehmen, Probleme zu ignorieren und alles so lassen, wie es ist – Läuft doch irgendwie… – das kann jeder. Genau so wie jammern und zusehen. Das ändert nur leider nichts. Sich aber das Problem bewusst zu machen, sich aufzuraffen und eine Lösung zu suchen, das kostet Mühe und Aufwand. Es bedeutet viel Arbeit. Und man bekommt Kritik. Meist ist es gutes Feedback, manchmal konstruktive Kritik, mit der man an Verbesserungen arbeiten kann. Keiner ist perfekt und man lernt nie aus. Und ab und zu werden Gerüchte gestreut. Ein Sprichwort sagt: „Gerüchte werden von Neidern erfunden, von Dummen verbreitet und von Idioten geglaubt“. Und das ist nun mal so. Der Mensch muss bekämpfen, was er nicht verstehen kann oder was ihm nicht in den Kram passt. Veränderung bedeutet Mut.

Ich möchte mit meinem Projekt „Sylvan Companion Dog“ in Zusammenarbeit mit meinen Projektpartnern gute, homogene Wolfhunde züchten. Und zwar Wolfhunde, die keine lebenslange Bürde sind, sondern ihren Familien viel Freude bringen. Das habe ich mir zu einer meiner Lebensaufgaben gemacht.

Lebensaufgabe „Wolfhund“ als Chance etwas besser zu machen

Es ist mein ganz persönliches Anliegen mit meinem Projekt in der Wolfhundszene und in der Wolfhundezucht etwas Gutes zu bewirken. Zum Einen fortschrittliches Denken, zum Anderen das Ausschöpfen der vorhandenen Ressourcen und des Weiteren die Zusammenarbeit mit anderen Züchtern und Haltern  sind essentiell, wenn man etwas bewegen möchte.

Ja, ich züchte. Damit trage ich aktiv dazu bei, dass es mehr Wolfhunde gibt. Das ist richtig. Doch meine Zucht anders. Es müssen die passenden Wolfhunde sein. Problematische Tiere gibt es schon mehr als genug. Und ich bin auch kein Vermehrer. Ich bin ein Kümmerer. Außerdem ist mein Projekt wohldurchdacht und strukturiert. Schließlich basiert es auf Regeln, ethischer Zucht, wissenschaftlicher Studien und Expertenmeinungen, sowie Zuchtplänen und -strategien. Es geht nicht um vereinzelt gute Würfe, sondern darum, langfristig eine stabile Wolfhundlinie zu implementieren. Der Fokus liegt in meinem Projekt auf Gesundheit, Wesen, Trainierbarkeit und Schönheit. Das sehe ich als meine Lebensaufgabe an. Meine sehr verehrten Damen und Herren: DAS ist das Ziel bei Sylvan Companion Dog.

Und auch für Sylvan Companion Dog Halter gilt: Einmal lebenslänglich bitte … und das sehr gern.

© Susanne Galla

Artikel Wolfhunde

Echter Rassehund, „richtige“ Papiere und Qualitätszucht

Rassehund Papiere

Echter Rassehund oder doch ein Mischling? Was sind die „richtigen“ Papiere?

Dieser Artikel behandelt die Fragen, welche Papiere die „Richtigen“ sind,  ob es sich um einen echten Rassehund oder doch einen Mischling handelt. Aber auch nach Anerkennung in Zuchtvereinen, Dissidenzzucht und Vermehrern und ob Papiere eine hohe Qualität in der Hundezucht garantieren.  Da diese Themen in den sozialen Medien vielfach heiß diskutiert werden, wollen wir etwas Licht ins Dunkel bringen.

Achtung!!!! Satire Voraus !!!

Bitte die einzelnen Teilabschnitte anklicken !!!

Unser Artikel beginnt diesmal mit einem Sketch, der einerseits informieren soll und andererseits aufzeigen möchte, welcher Umgangston in den sozialen Medien oftmals herrscht. Auch, wie Halbwissen verbreitet wird.

Also bitte, dieser Sketch soll niemanden angreifen, nur aufzeigen.  Daher gilt: Wer Satire findet, darf sie gerne behalten. Nach dem Sketch wird es zunächst einige Begriffserklärungen geben, natürlich gut verlinkt zum Weiterinformieren sowie eine kurze Zusammenfassung. Und im Anschluss daran haben wir ein kleines Quiz vorbereitet.

*Die Personen und die Handlung sind frei erfunden. Etwaige Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Begebenheiten oder lebenden oder verstorbenen Personen wären rein zufällig.

**Schäferhund und Mops werden hier als Stellvertreter für ihre  Artgenossen benutzt, es handelt sich nur um Beispiele. Es geht nicht darum, einzelne Hunderassen anzugreifen!

Anmerkung: Der hier aufgeführte Dialog soll in keiner Weise FCI, VDH, SV oder andere Verbände, Vereine, Hunderassen oder Mischlinge, Züchter oder Halter in ein schlechtes Licht rücken. Wir sind dem gegenüber neutral eingestellt. Es geht rein um die Situation selbst, die hier sehr überspitzt und klischeehaft dargeboten wird, da solche Diskussionen häufig in den sozialen Medien anzutreffen sind.

Jeder kennt sicherlich folgende dargestellte Situation: Herr Nais geht mit seinem Schäferhund spazieren und trifft Frau Bäsch, die ihren Mops in einer Tasche herumträgt.

Frau Bäsch:                        Oh, so ein hübscher Schäferhund. Ist der reinrassig?

Herr Nais:                           Danke. Ja, er ist ein reinrassiger Altdeutscher Schäferhund.

Frau Bäsch zieht die rechte Augenbraue nach oben. Ihr Mops Fifilotta kläfft und grunzt aus der gehobenen Position herab.

Frau Bäsch:                        Ein Altdeutscher Schäferhund also. Aha! Eigentlich heißt es ja Deutscher Schäferhund in Langstockhaar. Einen Altdeutschen Schäferhund gibt es nicht. Sicherlich hat er Papiere, oder nicht? Wer ist denn der Züchter?

Herr Nais:                           Ja, Bruce hat Papiere. Der Zwinger heißt „vom Kloppenhof“. Kennen Sie den?

Frau Bäsch:                        Also ich kenn mich ja in solchen Dingen super aus. Aber Kloppenhof… Der gehört aber nicht zum SV. Sie wissen ja, der SV ist der FCI angeschlossen.

Herr Gscheidmeier, der eben mit seiner Schäferhündin Gassi geht, mischt sich in das Gespräch ein.

Herr Gscheidmeier:       Nein, der Kloppenhof gehört sicherlich mitnichten zum SV. Diese elendigen Vermehrer. Schämen sollten Sie sich, dass Sie von dort einen Hund kaufen. Solche Leute auch noch unterstützen. Pfui Deifel.

Herr Gscheidmeier streichelt seiner Hündin über das lange Fell der extrem nach unten gezüchteten Hinterhand. Herr Nais blickt verdutzt drein. Sein Rüde Bruce setzt sich brav neben seinem Herrchen ab.

Frau Gafferl-Haimerlich, die das Gespräch von ihrem Garten aus mitbekommt, holt sich eine Schüssel Popcorn und macht es sich – für die Beteiligten unsichtbar – hinter der Gartenhecke bequem.

Herr Gscheidmeier:       Also MIR kommen nur reinrassige Deutsche Schäferhunde mit 1A Stammbaum in Haus. Genauso wie meine Schönheit hier, Barbie vom Froschhof, dreimalige Siegerin im In-, Aus- und Umland sowie Best of Show und Best of Breed. Da können Sie nicht mithalten, mit Ihrem Mischling, gell Herr Nais?

Herr Gscheidmeier tätschelt seine Barbie.

 Frau Bäsch:                       Da sehen Sie’s. DAS ist ein richtiger Schäferhund, Herr Nais. Mit richtigen Papieren. Nicht dieses gemauschelte unnütze Klopapier. Hätten Sie lieber einen Hund aus dem Tierheim geholt, anstatt einen Vermehrer zu unterstützen. Da könnt ich mich sowas von aufregen, wissen Sie. Fifilotta, jetzt sei doch mal still. Mamilein passt schon auf dich auf.  Jedenfalls, Herr Nais, haben Sie sich überhaupt Gedanken gemacht, ob ihr Hund gesund ist?

Herr Nais blickt von seinem athletischen Bruce zu Krummrückenbarbie und Atemnotfifilotta.

Herr Nais:                           Nun, immerhin besitzt mein Bruce einen EU-Heimtierausweis. Der ist amtlich anerkannt, also vor dem Gesetz. Können Sie dies von Ihren Vereinen und Verbänden auch sagen? Nur, weil jemand außerhalb dieser Vereinigungen züchtet, muss das noch lange nicht schlecht sein.

Herr Nais blickt zu Bruce, der von den anderen Hunden und dem menschlichen Gezanke völlig unbeeindruckt scheint.

Herr Gscheidmeier:       Trotzdem sind und bleiben es alle Vermehrer. ALLE!

Herr Vaganza stolziert auf der anderen Straßenseite mit seinem exquisiten Blue-Line Labbi mit dem eitlen Namen „Porsche“ vorbei und verschwindet hinter der nächsten Biegung.

Herr Gscheidmeier:       Noch so ein Vermehrerfreund.

Herr Gscheidmeier spuckt verächtlich auf den Boden.

Frau Bäsch:                        Eine bodenlose Frechheit sowas. Weiß doch heutzutage wirklich JEDER dank der tollen Aufklärung auf Fratzebook, dass alle blauen oder silbernen Hunde krank sind, weil sie einen Gendefekt haben und alle CDA kriegen. Wofür haben wir denn in unseren Zuchtvereinen Rassestandards und Vorschriften, wenn es immer so geldgierige Leute gibt, die auf Kosten der armen Tiere fleißig weitervermehren und sich nicht einmal an Vorgaben halten.

Herr Nais:                           Also, ich bevorzuge zur Meinungsbildung lieber Bücher oder wissenschaftliche Seiten als Beiträge von selbsternannten Experten in Foren. Und das Dilute-Gen selbst macht auch nicht krank, sondern ist lediglich eine Farbvariante. Sehr selten tritt CDA überh…

Frau Bäsch unterbricht Herrn Nais.

Frau Bäsch:                        So ein Gewäsch, Herr Nais. Das ist ein Gendefekt und BASTA.

Herr Gscheidmeier:       Blau ist eine Fehlfarbe. Die gehört eliminiert. Qualzucht ist sowas. Früher haben wir solche Welpen…

Frau Bäsch fällt Herrn Gscheidmeier ins Wort.

Frau Bäsch:                        Genau, und Qualzucht ist verboten. Deswegen kauft man ja beim RICHTIGEN Züchter. Damit man gesunde Hunde bekommt.

Herr Nais:                           Sehr richtig. Wenn ich mir meinen „Mischling“ so ansehe und dann ihre beiden Rassehunde, muss ich mich schon fragen, wer hier den gesünderen Hund hat. Mein Bruce kann wenigstens beschwerdefrei laufen. Bei Ihren Hunden tut schon das Zusehen bzw. Zuhören weh.

Herr Gscheidmeier und Frau Bäsch schnappen empört nach Luft.

Herr Nais:                           Außerdem, verehrter Herr Gscheidmeier, wussten Sie, dass der SV noch vor wenigen Jahren die Langstockhaarvariante ausgeschlossen hatte? Nun werden Langhaarige ebenfalls im SV gezüchtet. Warum ist das wohl so?

Frau Habacht, die gerade die Hofeinfahrt gegenüber zusammenkehrt, plärrt herüber.

Frau Habacht:                   Und, wie mir zu Ohren gekommen ist, Herr Gscheidmeier, ist in der Linie Ihrer geliebten Barbie HD vertreten. Herr Snobtschik, der Barbies Halbbruder hatte, musste diesen aufgrund hochgradiger HD mit nur zwei Jahren einschläfern lassen. Ach ja, und Frau Tschimicki hat bei ihrer Hündin, eine Wurfschwester Barbies, einen Vaterschaftstest machen lassen. Jaja, mein Lieber, auch solche Sachen können passieren. Es menschelt.

Herr Gscheidmeier ist mittlerweile puterrot angelaufen und muss sich nun schwer zurückhalten. Seine Barbie hoppelt unsicher hin und her und bellt lautstark. Frau Bäschs Mops grunzt und bellt heiser röchelnd vor sich hin.

Frau Bäsch:                        Ach, das sind Einzelfälle. Beim Vermehrer passiert das ja dauernd. Da fehlen halt sämtliche Gesundheitsuntersuchungen.

Herr Nais:                           Wissen Sie, mein Bruce mag zwar keinen FCI-oder SV-konformen Stammbaum haben, aber er hat ein vollständiges genetisches Profil, die seine Gesundheit und seine Rassereinheit bestätigen. Und auch außerhalb dieser Vereine gibt es HD/ED Untersuchungen. Stellen Sie sich das mal vor. Es gibt auch in der Dissidenz anständige Züchter.

Bruce, sichtlich gelangweilt, steht auf und beginnt am Boden herumzuschnüffeln.

Herr Gscheidmeier:       NEIN! DIE GIBT ES NICHT!!! WAGEN SIE ES JA NICHT….SIE VERKAPPTER RASSIST, SIE!!

Frau Bäsch:                        Aber, aber! Kein Grund gleich so laut zu werden, mein Lieber. Wir sind doch alles erwachsene Leute hier.

Herr Gscheidmeier:       AUF WELCHER SEITE STEHEN SIE EIGENTLICH, SIE VERRÄTERISCHES WEIBS…

Bruce hebt sein rechtes Hinterbein und erleichtert sich an Herrn Gscheidmeiers Hose.

Herr Gscheidmeier:       DAS WERDEN SIE BEREUEN, SIE UND IHRE KREATUR.

Herr Gscheidmeier stampft nassen Schrittes und laut schimpfend davon, Barbie hoppelt hinterher.  Frau Bäsch und Fifilotta hat es die Sprache verschlagen.

Herr Nais:                           So leid es mir tut, aber meine Zeit ist knapp. Ich möchte noch meine Freundin besuchen. Vanilla Schäferl. Sie züchtet Australian Shepherds im VDH und hat gerade einen Wurf überwiegend Merlefarbener. Meine Damen, ich wünsche Ihnen einen wunderschönen Sonntag.

Herr Nais zieht den Hut. Er nickt Bruce zu, der ihm bei Fuß folgt.

Frau Bäsch:                        Aber, aber… Merle ist doch ein Gendefekt…

Nun, da in dem Satiretext doch einige Abkürzungen und Fachbegriffe gefallen sind, möchte ich diese hier kurz erklären. Nun geht’s ins Eingemachte:

SV: Der Schäferhundverein ist der Hauptverband für Deutsche Schäferhunde und gliedert sich in Ortsverbände. Er ist dem VDH angeschlossen.

VDH: Der Verband für das Deutsche Hundewesen ist der Dachverband für 175 angeschlossene Mitgliedsvereine, betreut 250 verschiedene Hunderassen und repräsentiert Deutschland in der FCI.

FCI: Die Fédération Cynologique Internationale umfasst 99 Mitgliedsländer und ist die Weltorganisation der Kynologie mit derzeit 349 von ihr anerkannten Hunderassen.

HD: Die Hüftgelenksdysplasie ist eine multifaktoriell (und oft auch genetisch) bedingte Gelenkerkrankung, die mit einer Deformation des Hüftgelenks einhergeht. Oberschenkelpfanne und Hüftgelenkskopf passen nicht mehr richtig ineinander. Sie äußert sich durch Schmerzen und zunehmende Bewegungsbeeinträchtigung. Oftmals sind operative Eingriffe notwendig. Eine Erfolgsquote kann nicht garantiert werden.

ED: Die Ellbogengelenksdysplasie ist eine multifaktoriell und oftmals erblich bedingte, in der Wachstumsphase auftretende degenerative Erkrankung des Ellbogengelenks. Sie geht mit Lahmheit und Schmerzen in den Vordergliedmaßen einher und muss oftmals operiert werden.

Weitere Informationen zu HD und ED beim Deutschen Schäferhund

Dilute: Das Dilutegen ist ein Farbverdünnungsgen bzw. ein Farbmodifikationsgen. Bei doppelt rezessivem Vorliegen verdünnt es die pigmentierte Fellfarbe. Sehr selten kommt es bei Dilute-Hunden zu einer irreversiblen Hauterkrankung (CDA – Color Dilution Alopecia oder Farbmutantenalopezie). Generell kann diese Erkrankung alle Dilute-Hunde betreffen, jedoch gibt es bestimmte Rassedispositionen, wo sie häufiger auftritt.

Merle: Das Merle-Gen bedingt eine charakteristische Fellscheckung. Es ist eine Veränderung auf dem Silver-Locus und hellt nur Eumelanin auf. Die Vererbung erfolgt intermediär. Heterozygote Hunde (m/M, mischerbig) sind meist gesund, während dagegen homozygote (M/M, reinerbig) Tiere mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit behindert sind. Besondere Vorsicht in der Zucht ist geboten bei dem so genannten kryptischen Merle, denn hier ist der Hund Merle-Träger, weist die Fellzeichnung aber nicht auf. Eine Verpaarung mit zwei Merle-Trägern gilt als Qualzucht und ist verboten.

Qualzucht: Qualzucht geschieht leider oft aus Unwissenheit, aber meist wird gezielt einem Modetrend folgend auf bestimmte Merkmale hin produziert (denn züchten möchte ich das nicht nennen) und die traurigen Resultate sind eigentlich behindert und können oft kein würdiges Leben führen.

EU-Heimtierausweis: Der EU-Heimtierausweis (in Europa) ist das einzige Dokument, das sowohl behördlich als auch international anerkannt ist.

Was sind Papiere und wozu brauche ich die?

Mit den „Papieren“ bezeichnet man den Identifikationsnachweis des Hundes. Auch der EU-Heimtierausweis oder der Impfpass ist ein gültiges Papier – amtlich anerkannt – bei JEDEM Hund. In der Hundezucht werden zusätzliche Papiere ausgestellt, die neben gesundheitlichen und züchterisch wertvollen Daten auch die Abstammung des Hundes beinhalten. Pedigrees, wie diese Papiere noch genannt werden, helfen den Züchtern auch, wertvolle Zuchtpartner für ihre Hunde zu finden und Inzuchten zu vermeiden.  Mit den Papieren (auch Abstammungsnachweis oder Ahnentafel) können Hunde ebenso an Ausstellungen, Zuchtschauen, Hundesport usw. teilnehmen. Ein Stammbaum dagegen führt bis zur Wurzel des Entstehens einer Hunderasse zurück.

Was sind denn nun die „richtigen“ Papiere?

Jeder Zuchtverband stellt seine eigenen Papiere aus. Die meisten Vereine züchten mehr oder weniger nach der Leitlinie des FCI, d. h. es ist ein gewisser Spielraum innerhalb der Rassestandards vorhanden. Aus diesem Grund werden Hunde oft phänotypisch, also vom äußeren Erscheinungsbild her, als vermeintlicher Rassehund erkannt. Doch letzten Endes entscheiden die „richtigen“ Papiere, ob es sich um einen Rassehund handelt oder eben nicht.

„Richtige Papiere“

Und „richtige“ Papiere sind [Trommelwirbel]: Einzig und allein Papiere, die von der FCI ausgestellt sind! In Deutschland ist der VDH der FCI unterstellte Dachverband und alle dem VDH angeschlossenen Vereine stellen somit die „richtigen“, anerkannten Papiere aus. Nur mit diesen Papieren besitzt man einen Rassehund. Alle anderen Hunde gelten, egal ob Abstammungsnachweise von anderen Vereinen vorhanden sind oder nicht, vor der FCI als Mischling. Und somit kann auch ein zu 100% durch Gentests bestätigter Vertreter einer Hunderasse ein Mischling sein, nur weil er den falschen oder gar keinen Abstammungsnachweis hat.

Möchte also jemand einen anerkannten Rassehund, so ist er an das Reglement der FCI gebunden. Für Hunde mit den falschen Papieren gilt: Es besteht innerhalb der jeweiligen dem VDH angeschlossenen Rassehundevereine die Möglichkeit, sich Registerpapiere ausstellen zu lassen.

Die Dissidenzzucht denkt da anders. Sie hat sich von der FCI losgesagt. Aus diesem Grund züchtet sie ihrerseits Rassehunde in eigenen Verbänden nach mehr oder weniger FCI Standard. Zudem verfolgt sie teilweise auch eigene Zuchtziele zum Modifizieren einer Rasse. Innerhalb von Dissidenzverbänden ist es oftmals leichter, Papiere anderer Vereine anerkannt zu bekommen. Ebenso gibt es dort eigene Ausstellungen, Zuchtschauen, Hundesportturniere etc.  Auch finden sich in der Dissidenz vereinslose Züchter.

Und was sind jetzt Vermehrer?

Das kommt auf die Betrachtungsweise an und da mag jeder seine eigene Meinung dazu haben. Meist kristallisiert sich heraus, dass viele FCI-Anhänger die Züchter außerhalb von FCI-Verbänden als Vermehrer betrachten. Auch Züchter aus Dissidenzverbänden betrachten ihrerseits FCI-Züchter als Vermehrer wie auch vereinslose Züchter.  Das ist aber so pauschal gesehen nicht richtig.

Schwarze Schafe in der Hundezucht gibt es immer wieder. Egal ob beim vermeintlich renommierten FCI- oder VDH-Züchter oder in der Dissidenz: Papiere sind kein Garant für Qualität! Auch bei der Rassehundezucht gibt es Qualzuchten und auch beim Dissidenzzüchter gibt es Gesundheitsuntersuchungen. Da hat keiner das Monopol für sich. Neue Rassen entstehen auch erst durch Verpaarungen mit verschiedenen Rassen oder gar Mischlingen durch gut geplante Projekte und Zeit. Zu behaupten, das wäre alles Vermehrung und/oder geschehe aus purer Geldgier, wie oft argumentiert wird, ist unreflektierter Blödsinn.

Vermehrer sind in meinen Augen, überspitzt gesagt, Leute, die Hunde ohne Hintergrundwissen, ohne Gesundheitsuntersuchungen und Gentests, ohne Rücksicht auf die Zuchttiere selbst und aus reiner Geldgier produzieren und die Welpen, kaum entwöhnt, an den Erstbesten teuer verkaufen.  Auch Leute, die ihre Tiere als Zuchtmaschinen missbrauchen und als reine Ware betrachten, fallen darunter. Und die gibt es leider überall.

Meine persönliche Meinung:

FCI und VDH

Die FCI als kynologische Institution sowie die ihr angegliederten Verbände genießen eine Monopolstellung. Damit das so bleibt, werden  Andersdenkende häufig diffamiert. Doch ist dieses Herabsetzen von Dissidenzzüchtern wirklich gerechtfertigt?

Der VDH beispielsweise wirbt mit dem VDH-Gütesiegel für kontrollierte Zucht und Qualität innerhalb seines Vereins. Dem gegenüber stehen die Dissidenzverbände mir ihren eigenen mehr oder weniger VDH-angeglichenen Zuchtbestimmungen. Eine Monopolstellung innezuhaben ist nie gut, denn nur Konkurrenz bringt einen dazu, ständig an sich zu arbeiten und sich zu verbessern. Ich persönlich finde es auch interessant, dass sich die FCI als internationaler Dachverband versteht, der in der Rassehundezucht den Ton angibt, jedoch „nur“ 99 Mitgliedsländer hat. Kanada, die USA, Großbritannien beispielsweise gehören nicht der FCI an. Sie führen ihre eigenen Kennel Clubs.

Dissidenz

Dissidenzzüchter gehören oftmals Verbänden an, die vereinfachte „Spielregeln“ haben, sprich die Zuchtordnung ist sehr offen gehalten oder Gesundheitskriterien bei Zuchthunden auf ein Mindestmaß beschränkt. Manche sind auch strenger mit ihren Zuchregeln. Ich persönlich schaue mir die Vereine an, denen die einzelnen Züchter angehören und nehme auch die Zuchtordnung unter die Lupe. Auch, welche Gesundheitsuntersuchungen gefordert sind und wie das umgesetzt wird.

Sowohl FCI- als auch Dissidenzverbände haben ihre Vor- und Nachteile. Schwarze Schafe gibt es, wie schon erwähnt, überall. Nichts desto trotz bleiben es alles nur Vereine und Papiere, von egal welchen Zuchtvereinen, gelten nicht als rechtsgültiges Dokument. Papier ist geduldig, menscheln tut es überall und Fehler können auch passieren.

Gentests für mehr Transparenz

Daher gilt für mich: Einzig und allein ein Gentest beweist letzten Endes ob es sich um einen Rassehund oder Mischling handelt. Mit einem Gentest kann man ebenso auf die meisten Erbkrankheiten testen und Verwandtschaftsgrade sowie Inzuchtkoeffizienten feststellen. Viele Züchter lassen nur das vom Verein Vorgeschriebene testen.  Deswegen wäre es aus meiner Sicht nur sinnvoll, alle Zuchthunde vollständig genetisch auswerten zu lassen und die Ergebnisse in einer Datenbank – für ALLE Züchter – zugänglich zu machen. Für mehr Transparenz!

Bezüglich dem Satiretext möchte ich anmerken, dass es keinesfalls darum geht, Vereinszucht in ein schlechtes Licht zu stellen. Vielmehr geht es, wie schon erwähnt, um den rauen Umgangston auf Facebook und Co. Auch auf die Rollen, die in solcherlei Diskussionen immer wieder vertreten sind. Und nicht zuletzt, um bewusst zu machen, dass vor allem Facebook nicht gerade zu einer guten, objektiven Meinungsbildung beiträgt…

Fazit:

Wenn ihr euch einen Hund anschaffen wollt, findet zuerst raus, was ihr für Ambitionen habt.  Wollt ihr einen anerkannten Rassehund, so führt euch kein Weg an einer FCI-angegliederten Zucht vorbei. Andernfalls seid ihr auch in der Dissidenz gut beraten.

Trotz allem gilt: Augen auf beim Welpenkauf! Lernt Züchter und die Zuchtstätte kennen. Informiert euch VORHER. Lasst euch Gesundheitsuntersuchungen zeigen. Und lasst euch die Zuchthunde zeigen. Lernt im besten Fall Besitzer von Nachzuchten und deren Tiere kennen.

Und falls das alles weniger eine Rolle spielt, so würde sich sicherlich auch ein Hund aus dem Tierheim über eine zweite Chance freuen.

Ich hoffe, ich konnte etwas Licht ins Dunkel bringen. Gerne könnt ihr im folgenden Quiz testen, was ihr gelernt habt.

© Susanne Galla

Unterschied Wolfshund, Wolfhund und Wolfshybrid

Oft werde ich gefragt, was denn der Unterschied zwischen einem Wolfhund und einem Wolfshund sei. Oder was genau einen Wolfhund und einen Wolfshybrid unterscheidet. Aus diesem Grund habe ich diesen Artikel geschrieben, der einen groben Überblick über das Thema bieten soll. Sie finden hier Infos über Wolfhunde, Wolfshunde und Wolfshybriden, kurz und knackig zusammengefasst. Außerdem möchte ich den Wolfhund amerikanischen Ursprungs (AWH) an dieser Stelle vorstellen. Immerhin ist Shiva ein AWH und in unserer Low Content Wolfhundezucht vertreten.

1. Who is who in der Wolf(s)hundewelt?

Sie sind in aller Munde. Beinahe täglich berichten die Medien von ihnen. Manche neutral, andere lassen ihre eigene Meinung mit einfließen, zum Guten oder Negativen. Sie faszinieren uns mit ihrer Anmut, Schönheit und Wildheit. Sie wecken aber auch Furcht in uns … und Verlangen. Gerade weil diese Tiere – nicht zuletzt durch den Hype der Megaerfolgsserie Game of Thrones – immer beliebter werden, entwickelt sich auch ein Trend, der ihnen gar nicht gut tut. Denn viel zu oft werden aus oberflächlichen Prestige- und „Must-Have“-Gründen solche Tiere unüberlegt angeschafft und viel zu schnell folgt bald darauf die Ernüchterung. Das Ende vom Lied: Das „Wölfchen“ muss gehen. Und da fängt für die meisten Tiere der Leidensdruck erst richtig an.

Gerade Tiere, die viel Wolfhundeblut in sich tragen, haben besondere und höhere Ansprüche an ihre Halter. Eine Anpassung an unsere Menschenwelt ist hier nur bedingt möglich.  Dessen sollte man sich immer im Klaren sein. Informieren Sie sich bitte vorher und schätzen Sie sich realistisch ein. Passt ein Wolfhund in Ihr Leben? Und welcher Art von Wolfhund kann ich gerecht werden? Nur so kann es klappen!

Zunächst möchte ich hier einen ganz kurzen Überblick über die verschiedenen Begriffe geben. Weiterführende Links zum genauen Nachlesen habe ich beigefügt.

1.1. Der Wolfshybrid

Wolfshybride sind im Allgemeinen Wolf-Hund-Mischlinge. Diese Tiere werden bis einschließlich vier Generationen nach der letzten Wildtier-Wolf-Einkreuzung als Hybrid bezeichnet. Auch wenn sie nicht reine Wölfe sind, so sind sie doch als Solche zu betrachten und unterliegen dem Artenschutz. Ab der fünften Generation, auch Filial- oder F-Generation genannt, gelten Wolfshybride als Hunde.

1.2. Der Wolfhund

Wolfhunde sind Hunde, die aber auch einen mehr oder weniger großen Anteil an Wolfsblut in sich tragen- und das seit vielen Generationen. Der Wolfsblutanteil – auch Content genannt – kann in Gentests nachgewiesen werden. Jedoch ist es für den Laien oft schwierig, Wolfhunde von echten Wölfen zu unterscheiden.

Wolfhunde werden üblicherweise in Wolf-Content  eingeteilt. Demnach bezeichnet man 0-34% als Low-Content, 35-75% als Mid-Content und ab 76% als High Content. Dabei sind Abstufungen in Upper-Mid etc möglich.

Anerkannte Rassehunde mit geringem bis mittlerem Wolf-Content sind der Tschechoslowakische Wolfhund (FCI-Standard Nr. 332) und der Saarloos Wolfhond bzw. Saarloos Wolfhund (FCI-Standard Nr. 311).

1.3. Der Wolfshund

Die Begriffe Wolfshund und Wolfhund werden oft synonym verwendet. Mit Wolfshund werden einerseits Hunde bezeichnet, die dem Wolf äußerlich ähnlich sehen (so genannte Wolf-Look Alikes oder Wolfalikes). Auch sehr urtümliche Hunde wie der Siberian Husky oder der Alaskan Malamute fallen darunter. Andererseits werden damit Hunde benannt, die früher zur Wolfsjagd eingesetzt wurden oder die wolfsfarben sind, wie z. B. der Irische Wolfshund, der Russische Wolfshund (Barsoi) oder der Wolfsspitz.

Nochmal kurz zusammengefasst: Der Wolfshybrid ist quasi das Kind, Enkelkind, Urenkelkind oder Ur-Urenkelkind (bis einschließlich der vierten Generation nach der letzten Wolfseinkreuzung) eines wildlebenden Wolfes (Artenschutz). Der Wolfhund (ohne s) ist ein Hund mit mehr oder weniger Wolfblutanteilen und wird in Content eingeteilt. Auch die Rassewolfhunde gehören dazu. Dagegen trägt der Wolfshund normalerweise kein Wolfblut in sich. Denn Wolfshunde tragen ihren Namen entweder, weil sie wolfsfarben sind bzw. wolfsähnlich aussehen oder aber früher zur Wolfsjagd eingesetzt wurden.

2. Der Wolfhund amerikanischen Ursprungs (AWH)

Der Wolfhund amerikanischen Ursprungs ist eine nicht FCI-anerkannte Hunderasse aus den USA. Unter dem Begriff werden Wolfhunde zusammengefasst, die den amerikanischen Grauwolf bzw. dessen Unterarten (z. B. Timberwolf, Alaskan Tundra Wolf, Mackenziewolf, Mexican Wolf etc.) als Wolfserben vor vielen Generationen in sich tragen. Die deutschen AWHs gehen meist auf eine Ur-Hündin zurück und bei dieser Linie handelt es sich um Hunde. Eingekreuzt wurden überwiegend dem Wolf optisch ähnliche Hunderassen, wie z. B. der Alaskan Malamute, Siberian Husky, Deutscher Schäferhund, Weißer Schäferhund, aber auch Andere. AWHs werden in der Regel über ihren Wolfscontent eingeteilt. Es gibt mehrere Ansichten und Meinungen darüber, was ein echter AWH ist und was nicht. Ich persönlich beziehe mich auf die Phänotypisierungsmethode, die auf der chwolf.org Seite angesprochen wird.

AWHs sind, wenn sie aus einer seriösen Zucht stammen und früh geprägt und sozialisiert wurden, eher in der Lage, sich in  offenere und freundlichere Wolfhunde zu entwickeln als viele andere Wolfhunde. Dies mag auch daran liegen, dass amerikanische Wölfe insgesamt offener und freundlicher sind als ihre europäischen Verwandten. Im Wolfsforschungszentrum in Österreich wird aus eben diesem Grund mit amerikanischen Wölfen geforscht. Trotzdem dürfen sie, wie Wolfhunde im Allgemeinen, NIE unterschätzt werden.

Der Spencer Wolfdog ist eine Zuchtlinie innerhalb der Wolfhunde amerikanischen Ursprungs. Vicky Spencer vom Southern Breeze Kennel, auch Begründerin der Blue Bay Shepherds, hat diese Linie entwickelt. Schwerpunktmäßig setzt sie auf freundliche, gesunde und umgänglichere Wolfhunde mit möglichst wolfsähnlicher Optik.

Amerikanischer Wolfhund Shiva
Wolfhund amerikanischen Ursprungs

3. Wolfhunderassen

Als nächstes möchte ich, der Vollständigkeit halber,  kurz die anderen Wolfhunderassen aufzählen. Neben den beiden von der FCI anerkannten Rassewolfhunde „Tschechoslowakischer Wolfhund (TWH) und „Saarloos Wolfhond (SWH) gibt es auch einige noch nicht anerkannte Wolf(s)hunderassen. Dazu gehören der Tamaskan, Northern Inuit, Utonagan, Caledonian Wolfalike, der Marxdorfer Wolfhund (MWH), Anglo Wulfdog, Kunming Wolfdog, Lupo italiano, Blue Bay Shepherd usw.

4. Wolfhunde/Wolfdogs

Dann gibt es noch die ganzen Wolfhundmixe, auch allgemein einfach Wolfhund, Wolfshund, Wolfdogs genannt. Hier handelt es sich in der Regel um Mischlinge aus Wolfhunden bzw. Wolfshunden untereinander und/oder anderen Hunden. Außerdem gibt es sie in allen möglichen Looks. Ich habe tatsächlich mal einen kennengelernt, der aussah wie ein schwarzer Riesenlabrador, aber ein Wolfhundmix war, wobei wölfische Optik meist bevorzugt wird. Und es gibt sie von High bis No Content. Sie verhalten sich auch unterschiedlich (da Zuchtziele oft fehlen). Oftmals sind es meist wahre Überraschungspakete. Man kann Glück haben – oder eben nicht. Dennoch gibt es einige hervorragende Züchter in diesem Bereich.

5. Fazit

Zu guter Letzt möchte ich eindringlich alle an Wolf(s)hunden Interessierten darauf hinweisen:

Egal um welchen Typ von Wolf(s)hund es sich nun letztendlich handelt, diese Tiere eignen sich nicht für Jedermann! Seien Sie realistisch! Schätzen Sie sich richtig ein! Informieren Sie sich ausreichend! Treffen Sie keine vorschnellen Entscheidungen.

Gerne helfe ich weiter und berate Sie. Wenn Sie über die Anschaffung eines Wolfhundes bzw. Wolfshundes nachdenken, dann werfen Sie doch auch einen Blick in unsere Wurfplanung.

Kontakt: info@sylvan-spirit.de

6. Weiterführende Links

Wolf oder Hund
Info Wolfhunde
Info Amerikanischer Wolfhund
Infoportal Wolfhunde

© Susanne Galla

Blaue Hunde und das Dilute-Gen

Blauer Schäferhund Dilute Gen

Präambel

In diesem Artikel setze ich mich mit den Grundlagen für die Voraussetzungen und den Auswirkungen des Dilute-Gens auseinander. Vor allem beleuchte ich aber auch die Missverständnisse, die in diesem Zusammenhang auftreten. Hier wird es stark fachbezogen und es geht ins Eingemachte. Wenn Sie Vorwissen in Genetik besitzen, wird Ihnen diese Lektüre leichter fallen. Andernfalls schmeiße ich Sie jetzt ins kalte Wasser. Ich habe Sie gewarnt.

Das Dilute-Gen

1. Vererbung des Dilute-Gens: Wie entsteht Farbaufhellung?

Das Dilute-Gen ist das Farbverdünnungsgen und vererbt bei doppelt rezessivem Vorliegen (d/d) die aufgehellte Fellfarbe. Es beeinflusst neben der Fellfarbe auch die Farbe der Nase, Lefzen, Augenlider und Ballen sowie die der Augen. Bei blauen Hunden verklumpt das schwarze Pigment und erscheint dadurch graublau beziehungsweise Anthrazitfarben. So wäre unser Schäferhund Jace phänotypisch eigentlich schwarz, da er jedoch zwei rezessive Ausprägungen (d/d) auf dem D-Locus hat, ist sein schwarzes Fell farblich verdünnt und erscheint blau. Doch nicht nur die schwarze Fellfarbe ist davon betroffen. Jeder Hund mit zwei rezessiven Kopien des Dilute-Gens trägt aufgehelltes Fell. So werden zum Beispiel aus braunen Hunden Isabellafarbene (auch Lilac oder Silver genannt) und gelbe Hunde verändern ihren Farbton zu Champagnerfarben.

Rezessiver Erbgang

Das Dilute-Gen vererbt sich autosomal-rezessiv. Hierbei hat ein dominantes Allel D Vorrang gegenüber einem rezessiven Allel d. Hunde mit zwei dominanten Ausprägungen auf dem D-Locus (D/D) sind keine Merkmalsträger. Bei Hunden mit sowohl einem dominanten als auch einem rezessiven Anteil des Gens (D/d) kommt die Farbverdünnung im äußeren Erscheinungsbild nicht zum Tragen, sie können aber das rezessive Gen vererben.  Interessierte der Farbgenetik finden auf Combibreed weitere Informationen.

Mittlerweile wurden noch zwei weitere Dilute-Gene gefunden. Man unterscheidet diese Varianten in d1, d2 und d3. Die meisten Dilute-Gen-Tests testen allerdings bisher nur eine Variante, da die Entdeckung der zweiten Dilute-Variation noch relativ neu ist und entsprechende Tests noch nicht auf dem Markt sind. So kann man sich folgendes Mysterium erklären, dass ein Hund, der (nach altem Testverfahren) mit D/d getestet wurde, jedoch blaues Fell aufweist, obwohl dieses schwarz sein müsste. Daher liegt es nahe, dass dieser Hund zwei der drei Dilute-Varianten in sich trägt, aber bislang nur eine durch Tests offen gelegt werden kann. Aufgehelltes Fell kann entstehen, wenn d1/d1 oder d1/d2 oder d2/d3 oder d1/d3 oder d2/d2 oder d3/d3 kombiniert wird. Bei Wölfen und Wolfhybriden wurde öfter das d3-Gen nachgewiesen. Es wird vermutet, dass es sich bei d3 daher um eine sehr alte Mutation handeln könnte.

2. Dilute-Gen und Gesundheit: Ist das vereinbar?

Dilute-Hunde sind in der Regel gesund. Vereinzelt kann jedoch eine Farbmutantenalopezie auftreten (Colour Dilution Alopecia, CDA). Die CDA ist eine Hautkrankheit, die ausschließlich Hunde mit aufgehellter Fellfarbe erwerben können. Dies betrifft aber bei weitem nicht alle blauen beziehungsweise farbverdünnten Hunde und ist auch nicht für alle Hunderassen pauschal bewiesen. Überhaupt scheint es für die CDA eine Rassedisposition zu geben, d. h. bestimmte Hunderassen sind anfälliger für CDA.

CDA in ihrer jeweiligen Ausprägung, tritt u. a. gehäuft bei folgenden Hunderassen auf: Dobermann, Pinscher, großer Münsterländer (hier immer) und Thai-Ridgeback. Ein vermehrtes Auftreten bei Deutschen Schäferhunden oder Wolfhunden wurde bisher nicht festgestellt. Und mir persönlich ist auch kein Fall bekannt. Sollten Sie von einem Fall erfahren, bitte ich Sie darum mich unter Angabe der Quelle darüber zu informieren.

3. Das Dilute-Gen und die öffentliche Meinung

Leider wird um diese wunderschöne Fellfarbe derzeit viel Wirbel gemacht. Man stößt immer wieder auf Beiträge im Internet, die mit haarsträubendem Halbwissen und Behauptungen bezüglich des Dilute-Gens „aufzuklären“ versuchen. Es heißt dann in der Schlussfolgerung oft: „Blaue Hunde bekommen CDA. Oder: Das Dilute-Gen macht den Hund krank.“ Das stimmt aber pauschal eben nicht, wie wir gesehen haben.

Gerade heute, wo man durch Internet  einer unaufhörlichen Flut von Informationen ausgesetzt ist, muss man die Quellen, die zur (eigenen) Meinungsbildung herangezogen werden, sorgfältig wählen und kritisch hinterfragen. Zu oft finden pseudowissenschaftliche Publikationen durch Ihre einfache Zugänglichkeit, welche deren „Ergebnisse“ aber nicht richtiger macht, anklang.

Richtige Aufklärung ist das A und O. Bitte helfen Sie uns, RICHTIG über das Dilute-Gen aufzuklären und Missverständnissen sowie Falschinformationen vorzubeugen oder zu beseitigen. Gerne dürfen Sie diesen Beitrag kommentieren, oder in den Sozialen Medien teilen.

Auch wir lernen gerne dazu: Haben Sie einen guten Link mit wissenschaftlichen Studien oder Expertenmeinungen (die sich in diesem Spezialgebiet wirklich auskennen) zu diesem Thema, so setzen Sie mich davon bitte in Kenntnis.

Literatursammlung

Die folgenden Links zu Informationen, wissenschaftlichen Arbeiten und Expertenmeinungen spiegeln meinen Weg zum Verständnis des Dilute-Gens teilweise wider.  Ich habe sie hier für Sie zusammengetragen.

Ganz besonders ans Herz legen möchte ich Ihnen diesen Beitrag auf der Seite vitomalia.com ebenso wie das darauf eingebettete Video, welches Sie auch unter diesem Absatz finden. Es bietet einen super Einstieg ins Thema. Das Video gibt eine Aufzeichnung vom Interview mit dem aktiven Veterinärwissenschaftler und Tierdermatologen Dr. med. vet. Patrick Hensel über blaue Hunde und das Dilute-Gen sowie die auftretenden Missverständnisse wieder.

Allgemeine Infos über das Dilute-Gen und Genetik

  1. Dilute-Gen (Wikipedia.de)
  2. Vererbung der Fellfarben bei Hunden (anidom.de)

Wissenschaftliche Studien und Zusammenfassungen

Hier habe ich im Deutschen leider noch nichts gefunden. Sollte sich das ändern, werde ich entsprechende Ergebnisse hier ergänzen.

  1. A novel MLPH variant in dogs with coat colour dilution. (Anim Genet. epub, Bauer et al, 2018)
  2. MLPH Genotype—Melanin Phenotype Correlation in Dilute Dogs (Journal of Heredity, Volume 100, Welle et al, 2009)
  3. A Noncoding Melanophilin Gene (MLPH) SNP at the Splice Donor of Exon 1 Represents a Candidate Causal Mutation for Coat Color Dilution in Dogs (Journal of Heredity, Volume 98, Drögemüller et al, 2007)
  4. Polymorphisms within the canine MLPH gene are associated with dilute coat color in dogs (BMC Genetics, Philipp et al, 2005)
  5. Chromosomal Assignment of the Canine Melanophilin Gene (MLPH): A Candidate Gene for Coat Color Dilution in Pinschers (Journal of Heredity, Volume 96, Philipp et al, 2005)
  6. Case Report: Color-dilution alopecia in dogs (Journal of Veterinary Science, Kim et al, 2005)
  7. A Third MLPH Variant Causing Coat Color Dilution in Dogs (Genes 2020  11(6), 639; Van Buren et al)

Aufruf:

Dr. Tasso Leeb, Universität Bern erforscht Hunde mit Dilute-Fellfarben und die Krankheit CDA. Ich möchte hiermit jeden Hundehalter aufrufen, der Dilute-Hunde oder an CDA erkrankte Hunde hat, an diesen Studien teilzunehmen.

Kontakt Universität Bern: Institut für Genetik

© Susanne Galla