Blaue Hunde und das Dilute-Gen

Präambel

In diesem Artikel setze ich mich mit den Grundlagen für die Voraussetzungen und den Auswirkungen des Dilute-Gens auseinander. Vor allem beleuchte ich aber auch die Missverständnisse, die in diesem Zusammenhang auftreten. Hier wird es stark fachbezogen und es geht ins Eingemachte. Wenn Sie Vorwissen in Genetik besitzen, wird Ihnen diese Lektüre leichter fallen. Andernfalls schmeiße ich Sie jetzt ins kalte Wasser. Ich habe Sie gewarnt.

Das Dilute-Gen

1. Vererbung des Dilute-Gens: Wie entsteht Farbaufhellung?

Das Dilute-Gen ist das Farbverdünnungsgen und vererbt bei doppelt rezessivem Vorliegen (d/d) die aufgehellte Fellfarbe. Es beeinflusst neben der Fellfarbe auch die Farbe der Nase, Lefzen, Augenlider und Ballen sowie die der Augen. Bei blauen Hunden verklumpt das schwarze Pigment und erscheint dadurch graublau beziehungsweise Anthrazitfarben. So wäre unser Schäferhund Jace phänotypisch eigentlich schwarz, da er jedoch zwei rezessive Ausprägungen (d/d) auf dem D-Locus hat, ist sein schwarzes Fell farblich verdünnt und erscheint blau. Doch nicht nur die schwarze Fellfarbe ist davon betroffen. Jeder Hund mit zwei rezessiven Kopien des Dilute-Gens trägt aufgehelltes Fell. So werden zum Beispiel aus braunen Hunden Isabellafarbene (auch Lilac oder Silver genannt) und gelbe Hunde verändern ihren Farbton zu Champagnerfarben.

Rezessiver Erbgang

Das Dilute-Gen vererbt sich autosomal-rezessiv. Hierbei hat ein dominantes Allel D Vorrang gegenüber einem rezessiven Allel d. Hunde mit zwei dominanten Ausprägungen auf dem D-Locus (D/D) sind keine Merkmalsträger. Bei Hunden mit sowohl einem dominanten als auch einem rezessiven Anteil des Gens (D/d) kommt die Farbverdünnung im äußeren Erscheinungsbild nicht zum Tragen, sie können aber das rezessive Gen vererben.  Interessierte der Farbgenetik finden auf Combibreed weitere Informationen.

Mittlerweile wurden noch zwei weitere Dilute-Gene gefunden. Man unterscheidet diese Varianten in d1, d2 und d3. Die meisten Dilute-Gen-Tests testen allerdings bisher nur eine Variante, da die Entdeckung der zweiten Dilute-Variation noch relativ neu ist und entsprechende Tests noch nicht auf dem Markt sind. So kann man sich folgendes Mysterium erklären, dass ein Hund, der (nach altem Testverfahren) mit D/d getestet wurde, jedoch blaues Fell aufweist, obwohl dieses schwarz sein müsste. Daher liegt es nahe, dass dieser Hund zwei der drei Dilute-Varianten in sich trägt, aber bislang nur eine durch Tests offen gelegt werden kann. Aufgehelltes Fell kann entstehen, wenn d1/d1 oder d1/d2 oder d2/d3 oder d1/d3 oder d2/d2 oder d3/d3 kombiniert wird. Bei Wölfen und Wolfhybriden wurde öfter das d3-Gen nachgewiesen. Es wird vermutet, dass es sich bei d3 daher um eine sehr alte Mutation handeln könnte.

2. Dilute-Gen und Gesundheit: Ist das vereinbar?

Dilute-Hunde sind in der Regel gesund. Vereinzelt kann jedoch eine Farbmutantenalopezie auftreten (Colour Dilution Alopecia, CDA). Die CDA ist eine Hautkrankheit, die ausschließlich Hunde mit aufgehellter Fellfarbe erwerben können. Dies betrifft aber bei weitem nicht alle blauen beziehungsweise farbverdünnten Hunde und ist auch nicht für alle Hunderassen pauschal bewiesen. Überhaupt scheint es für die CDA eine Rassedisposition zu geben, d. h. bestimmte Hunderassen sind anfälliger für CDA.

CDA in ihrer jeweiligen Ausprägung, tritt u. a. gehäuft bei folgenden Hunderassen auf: Dobermann, Pinscher, großer Münsterländer (hier immer) und Thai-Ridgeback. Ein vermehrtes Auftreten bei Deutschen Schäferhunden oder Wolfhunden wurde bisher nicht festgestellt. Und mir persönlich ist auch kein Fall bekannt. Sollten Sie von einem Fall erfahren, bitte ich Sie darum mich unter Angabe der Quelle darüber zu informieren.

3. Das Dilute-Gen und die öffentliche Meinung

Leider wird um diese wunderschöne Fellfarbe derzeit viel Wirbel gemacht. Man stößt immer wieder auf Beiträge im Internet, die mit haarsträubendem Halbwissen und Behauptungen bezüglich des Dilute-Gens „aufzuklären“ versuchen. Es heißt dann in der Schlussfolgerung oft: „Blaue Hunde bekommen CDA. Oder: Das Dilute-Gen macht den Hund krank.“ Das stimmt aber pauschal eben nicht, wie wir gesehen haben.

Gerade heute, wo man durch Internet  einer unaufhörlichen Flut von Informationen ausgesetzt ist, muss man die Quellen, die zur (eigenen) Meinungsbildung herangezogen werden, sorgfältig wählen und kritisch hinterfragen. Zu oft finden pseudowissenschaftliche Publikationen durch Ihre einfache Zugänglichkeit, welche deren „Ergebnisse“ aber nicht richtiger macht, anklang.

Richtige Aufklärung ist das A und O. Bitte helfen Sie uns, RICHTIG über das Dilute-Gen aufzuklären und Missverständnissen sowie Falschinformationen vorzubeugen oder zu beseitigen. Gerne dürfen Sie diesen Beitrag kommentieren, oder in den Sozialen Medien teilen.

Auch wir lernen gerne dazu: Haben Sie einen guten Link mit wissenschaftlichen Studien oder Expertenmeinungen (die sich in diesem Spezialgebiet wirklich auskennen) zu diesem Thema, so setzen Sie mich davon bitte in Kenntnis.

Literatursammlung

Die folgenden Links zu Informationen, wissenschaftlichen Arbeiten und Expertenmeinungen spiegeln meinen Weg zum Verständnis des Dilute-Gens teilweise wider.  Ich habe sie hier für Sie zusammengetragen.

Ganz besonders ans Herz legen möchte ich Ihnen diesen Beitrag auf der Seite vitomalia.com ebenso wie das darauf eingebettete Video, welches Sie auch unter diesem Absatz finden. Es bietet einen super Einstieg ins Thema. Das Video gibt eine Aufzeichnung vom Interview mit dem aktiven Veterinärwissenschaftler und Tierdermatologen Dr. med. vet. Patrick Hensel über blaue Hunde und das Dilute-Gen sowie die auftretenden Missverständnisse wieder.

Allgemeine Infos über das Dilute-Gen und Genetik

  1. Dilute-Gen (Wikipedia.de)
  2. Vererbung der Fellfarben bei Hunden (anidom.de)

Wissenschaftliche Studien und Zusammenfassungen

Hier habe ich im Deutschen leider noch nichts gefunden. Sollte sich das ändern, werde ich entsprechende Ergebnisse hier ergänzen.

  1. A novel MLPH variant in dogs with coat colour dilution. (Anim Genet. epub, Bauer et al, 2018)
  2. MLPH Genotype—Melanin Phenotype Correlation in Dilute Dogs (Journal of Heredity, Volume 100, Welle et al, 2009)
  3. A Noncoding Melanophilin Gene (MLPH) SNP at the Splice Donor of Exon 1 Represents a Candidate Causal Mutation for Coat Color Dilution in Dogs (Journal of Heredity, Volume 98, Drögemüller et al, 2007)
  4. Polymorphisms within the canine MLPH gene are associated with dilute coat color in dogs (BMC Genetics, Philipp et al, 2005)
  5. Chromosomal Assignment of the Canine Melanophilin Gene (MLPH): A Candidate Gene for Coat Color Dilution in Pinschers (Journal of Heredity, Volume 96, Philipp et al, 2005)
  6. Case Report: Color-dilution alopecia in dogs (Journal of Veterinary Science, Kim et al, 2005)
  7. A Third MLPH Variant Causing Coat Color Dilution in Dogs (Genes 2020  11(6), 639; Van Buren et al)

Aufruf:

Dr. Tasso Leeb, Universität Bern erforscht Hunde mit Dilute-Fellfarben und die Krankheit CDA. Ich möchte hiermit jeden Hundehalter aufrufen, der Dilute-Hunde oder an CDA erkrankte Hunde hat, an diesen Studien teilzunehmen.

Kontakt Universität Bern: Institut für Genetik

© Susanne Galla

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.